Kreislaufwirtschaft zum Anfassen im Kleidersortierwerk Hohenems

Kreislaufwirtschaft zum Anfassen im Kleidersortierwerk Hohenems
Hier im carla Tex werden 35 Tonnen Altkleider pro Woche nach Qualität und Art der Textilien sortiert.

Was passiert mit der alten Kleidung, die wir zu den Sammelcontainern bringen? Nach einer Führung im carla Tex, dem Kleidersortierwerk der Caritas Vorarlberg, sind wir schwer beeindruckt!

Ein Stapler rollt einen riesigen Gitterkorb heran, prall gefüllt mit orangen Säcken aus den Kleidersammelcontainern. Die Säcke kommen aufs Fließband und dort beginnt die Sortierarbeit – meist von Hand. Hosen zu Hosen, Blusen zu Blusen, Unterwäsche, Bettwäsche, Pölster: Alles wird nach Qualitätsstufen geordnet. Die Atmosphäre ist überraschend angenehm, nicht zu laut für einen so großen Raum, trotz der vielen Maschinen. Es erinnert an eine riesige Waschküche, in der die Wäsche nicht gereinigt (bitte nur saubere Wäsche abgeben!), sondern sorgfältig sortiert und zusammengelegt wird.

Doch nicht alles, was hier ankommt, ist gleich wertvoll: Manche Textilien sind hochwertig und wandern direkt in die carla Second Hand Shops in Dornbirn, Bludenz oder Feldkirch. Andere dienen als Reserve für Katastrophenfälle, für Hilfsprojekte im In- und Ausland oder als Rohstoff für die Industrie. Kaputte Kleidung wird in verschiedenen Branchen wiederverwertet: Von der Autoindustrie bis zum Bau; vom Füllmaterial über Dachpappe bis zum Putzlappen. Lediglich 23% der gespendeten Altkleider müssen tatsächlich entsorgt werden. Hier, im carla Tex Kleidersortierwerk der Caritas Vorarlberg, wird täglich versucht, einen nachhaltigen Umgang mit der weltweiten Textilflut zu finden. Wöchentlich werden hier 70 Tonnen Textilien aus über 470 Sammelcontainern aus dem ganzen Ländle angeliefert – das sind 8,5 kg pro Einwohner:in im Jahr. Und so ganz nebenbei, wenn die Altkleider gut wiederverwendet werden, werden somit auch noch ca. 20.000 Tonnen CO₂ pro Jahr einspart.

Große Herausforderungen: Vorgaben, Finanzierung und Innovation
Aber nicht nur die praktischen Arbeitsabläufe sind eine Herausforderung. Auch die Fragen: wer trägt die Sortierkosten, wer bezahlt Entsorgungsgebühren, wenn etwas gar nicht mehr zu gebrauchen ist und vor allem: Eigentlich bräuchte es hier eine eigene Innovationsabteilung – denn vieles was hier passiert ist Neuland.
Karoline Mätzler, zuständige Fachbereichsleiterin, hat viele Aufgaben unter einen Hut zu bringen und beeindruckt mit Expertise und Erfahrung. Sie kennt jeden Handgriff im Sortierwerk, jede rechtliche Hürde. Denn laut EU-Vorgabe müssen ab 2025 Textilien in der EU getrennt gesammelt werden – nicht mehr teuer im Restmüll entsorgt. Bis 2027 soll das im nationalen Recht umgesetzt werden. Dann gilt die Erweiterte Herstellerverantwortung EPR (engl. Extended Producer Responsibility). Das Prinzip besagt: Hersteller und Inverkehrbringer von Produkten – also auch von Textilien – sind nicht nur für die Produktion, sondern auch für die Entsorgung, das Recycling und die Wiederverwendung ihrer Produkte verantwortlich. Dann müssen Hersteller auch finanziell in die Pflicht genommen werden.

Warum ist das wichtig? Gemeinden sind für die Abfallbeseitigung zuständig. Der Gemeindeverband beauftragt die Caritas mit dem Sammeln und der Verwertung von Alttextilien – obwohl die Verursacher der Flut an Fast Fashion andere sind. Die EPR würde diese Last fairer verteilen und die Kreislaufwirtschaft stärken.

Karoline Mätzler erklärt, was mit billigen Kunststoffpölstern noch zu machen ist. Das sortenreine Sortieren gelingt bereits, aber einige der Textilien sind schwer wieder verwendbar und nicht einmal zur Verbrennung geeignet, weil sie die Anlagen verkleben.

Sozial, ökologisch und zukunftsweisend
Wir sind auf jeden Fall beeindruckt vom carla Tex Kleidersortierwerk. Etwa 50 Beschäftigte der carla Soziale Unternehmen – also Arbeitssuchende, die bei carla einen befristeten Arbeitsplatz bekommen, arbeiten hier. 70 Prozent davon sind Frauen. Unterstützt und qualifiziert werden sie dabei von carla Sozialarbeiter:innen, mit dem Ziel der langfristigen Wiedereingliederung in den Vorarlberger Arbeitsmarkt. Zusammenarbeit mit Schulen, Kunstuniversitäten und Textilforschung bringen immer wieder neue Abnehmer der Alttextilien neue Ideen und Innovation.

Der carla Shop in der Marktstraße in Dornbirn wurde erst im November 2026 eröffnet und hat stilvolle, hochwertige second-hand Kleidung. Copyright: Land Vorarlberg

Wart ihr schon einmal im neuen carla Kaufhaus in der Marktstraße in Dornbirn?
Hier findet ihr hochwertige und individuelle Schätze – von der Lederjacke über das Dirndl bis zu Designerklamotten, Kinderkleidung und Geschirr. Kommt vorbei und lasst uns die guten Sachen weiter nutzen! Das neue Kaufhaus zeigt, wie Second Hand nicht nur nachhaltig, sondern auch stylisch und attraktiv sein kann und sich steigender Nachfrage erfreut!

Hier kann auch Kleidung direkt abgegeben werden: Wenn du dein Ballkleid nicht in einen Sack stopfen willst, bringe es direkt im carla Shop vorbei – dann kann es vor Ort weiter verkauft werden und es sparen sich alle einige Handgriffe!

Kiloware: Übrigens könnt ihr bestimmte Kleidungsartikel auch in Kiloware beim Sortierwerk kaufen. Für Flohmärkte, Kleidertausch oder Upcycling-Projekte – Alttextilien sind kein Abfall, sondern eine Ressource die gut sortiert einen hohen Wert hat!

Wir danken herzlich für den spannenden Einblick und die wertvolle Arbeit, die hier geleistet wird!