Kröten, Frösche & Co.

Kröten, Frösche & Co.
Krötenpaar beim Ablaichen ihrer Eier in Laichschnüren (beim Grasfrosch sind es Laichballen)

Die Krötenwanderung beginnt!

Was haben Kröten, Frösche und Bergmolche gemeinsam. Es sind drei von 20 Amphibienarten in Österreich. Amphibien sind Tiere, die sowohl Land als auch Wasser zum Überleben brauchen (griechisch: „Amphi“ = doppel/beiderseitig; „Bios“ = Leben). 13 von 14 in Vorarlberg vorkommenden Amphibien gelten als gefährdet und stehen darum unter Schutz.

Warum sind sie gefährdet?

Hauptsächlich leiden die Amphibien unter dem Verlust ihrer Lebensräume. Der fortschreitende Flächenverbrauch durch Industrie und Landwirtschaft, die Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungen und Straßen erschweren ihnen das Überleben.

Gegen März, April, wenn die Nachttemperaturen 5°C übersteigen, verlassen sie ihr Winterversteck an Land und brechen zu den Gewässern auf, an denen sie einst geschlüpft sind oder suchen neue Gewässer, um ihre Eier darin abzulegen. Auf dieser Wanderung im Frühjahr zu den Laichgewässern, aber auch bei ihrer Rückkehr in ihre Sommerquartiere, müssen die Tiere stark befahrene Straßen überqueren. Dabei sterben jedes Frühjahr tausende Frösche, Kröten und Bergmolche.

Wintereinbruch während der Wanderung, Grasfrösche im Kübel gefangen

Werden die Tiere vom Scheinwerferlicht geblendet, verharren sie in einer Schreckstellung, die nicht selten minutenlang dauert. Selbst wenn Sie nicht direkt vom Auto erfasst werden, sondern nur zwischen die Räder geraten, können sie sterben. Der Druckunterschied vor bzw. unter dem Auto ist meist so groß, dass die Amphibien in die Luft geschleudert werden und danach sterben. Untersuchungen zeigen, dass oft bis zu 70 Prozent der Amphibien, die nachts eine mittelmäßig stark befahrene Straße (wie die Bödelestraße in Rickatschwende) überqueren wollten, überfahren werden. Bei den als bedroht geltenden Amphibienarten wiegt jeder einzelne Verlust schwer für die gesamte Population.

Was können wir dagegen tun?

Wir haben keinen Einfluss auf den Autoverkehr auf der Bödelestraße. Auch nicht auf das Wetter, wenn im Winter zu wenig Regen fällt, die kleineren Gewässer schnell bis auf den Grund zufrieren und dort überwinternde Frösche sterben.

Doch wir können ihnen helfen, indem wir Amphibienschutzzäune am Straßenrand aufstellen, damit die Tiere im Frühjahr nicht in Massen die Straßen überqueren und dabei getötet werden. Denn dann müssen sie sich auf dem Weg zu ihren Laichgewässern entlang des Zaunes bewegen und landen in den eigens dafür eingegrabenen Eimern. Zweimal täglich, in den Morgenstunden und in den späten Abendstunden, werden die Amphibien dann von uns freiwilligen Helfer:innen in mitgebrachten Kübeln über die Straße zum Laichgewässer getragen (z.B. zum Teich beim Hotel Rickatschwende).

Amphibienzaun bei Rickatschwende

Dabei dokumentieren wir die Anzahl der transportierten Kröten, Frösche und Bergmolche und unterstützen damit das Monitoring-Programm der Naturschutzabteilung des Landes. Diese Daten werden zur Bewertung der Amphibienzugstelle verwendet. Da wir jedes Jahr 600 – 800 Amphibien über die Straße tragen, wird die Amphibienzugstelle Rickatschwende als bedeutend gewertet. Ziel muss es sein, dass bei einer Sanierung der Bödelestraße ein Amphibientunnel gebaut wird, der dann den Tieren ein sicheres Unterqueren der Straße ermöglicht.

Teich beim Hotel Rickatschwende

Genügt das?

Leider nicht. Immer mehr Gewässer werden für die Entsorgung von Goldfischen missbraucht. So auch der Teich beim Hotel Rickatschwende. Goldfische und Gelbrandkäfer verspeisen mit Vorliebe die Eier und Kaulquappen von Amphibien und dezimieren dadurch die ohnehin kleiner werdenden Bestände drastisch. Daher müssen wir diese wichtigen Laichgewässer von Goldfischen freihalten, sonst ist unsere Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes „für die Fische“.

Goldfische am Kaulquappen-Buffet

Die Amphibien brauchen unsere Hilfe

Wenn wir ihnen permanent die Lebensräume nehmen und sie dann auch noch bei ihrer lebenswichtigen Wanderung mit dem Auto überfahren, sollten wir sie wenigsten an den wichtigen Amphibienzugstrecken schützen. Dafür engagieren sich viele ehrenamtlichen Helfer:innen jedes Jahr. Der AlpenSchutzVerein koordiniert auch 2026 wieder die vier Amphibienzugstellen Rickatschwende – Kehlerstraße – Haselstauderstraße und Im Äuele.

Ohne unser Engagement und vieler Freiwilliger wäre der Schutz der wandernden Amphibien nicht möglich. Für das Frühjahr 2026 werden weitere Freiwillige gesucht!

Doch ohne geeignete Laichgewässer (bitte ohne Goldfische) macht die ganze Arbeit keinen Sinn. In der Haldengasse ist durch Bautätigkeit ein Laichgewässer leider verschwunden. Nur wenige Jahre später sind die Frösche und Kröten von den Autos ausgerottet worden. Wenn wir ihre Laichplätze zerstören, müssen wir wenigstens an den noch verbliebenen Zugstrecken den Tieren ein neues Laichgewässer anbieten, damit sie die Straßen nicht mehr überqueren müssen. Für unsere Industrie finden wir riesige Flächen zum Versiegeln, dann muss es auch möglich sein, einige Quadratmeter für unsere letzten Amphibien zu finden. Dafür stehen das Land und die Gemeinde in der Verantwortung. Doch auch wir Bürger*innen von Dornbirn können uns überlegen, wie wir diese bedrohten Tiere vom Aussterben bewahren. An dieser Stelle möchte ich mich beim Hotel Rickatschwende für die Bereitstellung ihres Teiches und die tolle Unterstützung bedanken.

Wir wollen doch nicht, dass unsere Kinder Frösche und Kröten nur noch auf Youtube und in der Schule kennenlernen.

Erich Zucalli, Alpenschutzverein für Vorarlberg

Amphibienzugstellen im Vorarlberg-Atlas für Dornbirn: https://atlas.vorarlberg.at/portal/map/Natur%20und%20Umwelt/Amphibienzugstellen%202018